Es war wieder soweit: Elf an den Wanderexerzitien interessierte Personen aus dem pastoralen Raum trafen sich nach dem Gottesdienst am Sonntag, 04.10.2026 mit Pastoralreferent Holger Oberle-Wiesli zum fünften Aufbruch ins Oberinntal, um dort unter seiner geistlichen Leitung für eine Woche aus dem Alltag auszusteigen und beim Wandern in der herrlichen Bergwelt Tirols über sich und das Leben nachzudenken. Geselligkeit kam dabei nicht zu kurz, so auch beim Ankunftsabend in der Pension „Haus Tirol“ in Ried. Nehmen Sie am folgenden Rückblick nun gerne teil an dem, was wir erlebt haben:
Der Montagmorgen begann traditionell mit einem Morgenimpuls in der ehemaligen Klosterkirche der Kapuziner. „Lebenswege“ hieß das Tagesthema. Danach begaben wir uns ins Kaunertal, wo wir auf einem altehrwürdigen Wallfahrtsweg in die Marienwallfahrtskirche Kaltenbrunn pilgerten. Worte des charismatischen, inzwischen leider verstorbenen Bischofs Reinhold Stecher wurden von Holger zitiert: Rucksack abstellen - neue Ausblicke – Kraftquelle zum Auftanken - all das kann Wallfahrt sein. Da Essen und Trinken bekanntlich Leib und Seele zusammenhält, durfte auch das allabendliche Essen in der örtlichen Gastronomie nicht zu kurz kommen.
Der Dienstag stand unter dem Motto „Täler und Gipfel auf dem Lebensweg – Lebenslandschaft/Lebensraum – einfach gehen“. Passend dazu fuhren wir ins schweizerische Engadin ins Val Sinestra, wo wir vom Bergdorf Vná nach Sent wanderten. Ein starkes Symbol für zu überquerende Täler waren dabei zwei Hängebrücken, die wir zu passieren hatten. Hoch über dem Abgrund - haben wir das nicht alle schon mal erlebt, alles gerät ins Wanken? Wie gut tut es dann, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, gerne auf dem Fundament unseres Glaubens! Berge, dunkle Täler – das kennen wir alle. Halt gab uns dabei der Psalm 30 – Du führst uns hinaus ins Weite! Wunderbar beendete ein Gemeindegottesdienst mit Liveband in unserer Kapuzinerkirche zu Ehren des schon vor einigen Jahren verstorbenen Kapuzinerpaters Ignatio Langen den Tag. Beeindruckend war, mit wie wenig Gegenständen der Pater sein Leben in großer Bescheidenheit bewältigte. Alles passte in einen alten Koffer, den eine Dame aus der Pfarrei aufbewahrt hatte.
In jedermanns Leben gibt es Herausforderungen. Eine solche war am Mittwoch nach der Morgenbesinnung – Tagesthema „Lebensziel“ der Gipfel des Berges Frudiger, 2.135 m hoch. Steil war der Anstieg und am Gipfelkreuz wurde die Mühe mit einem grandiosen Ausblick auf das Inntal belohnt. Herrlich war auch der idyllische Höhenweg zum Tösener Frudiger, der uns durch einen wunderbaren Zirbenwald führte. Nach einem Abstieg teilweise quer durchs Gelände ging es zurück zu den Autos durch die langgezogene Hochalm Pfundser Tschey.
Was sind meine Wurzeln? Was gibt mir Halt im Leben? Diese Fragen standen am Donnerstag im Mittelpunkt der Betrachtung. Auch hier war die Wanderung von Holger mit Bedacht gewählt: Wir wanderten über Steine und Wurzeln (Flachwurzler, Tiefwurzler) an einem prähistorischen Opferplatz der alten Kelten vorbei durch ein teilweise abgebautes Torfgebiet in einem Moor bei leichtem Regen und Nebel, eine zum In-sich-gehen geeignete Stimmung. Wer wollte, konnte sich im örtlichen Museum die geborgenen Schätze des antiken Kultplatzes besehen – Opfern an die Götter, die quasi unseren Ahnen Halt im Leben gaben. Betrachtungen zum Psalm 1 – Das Haus auf Fels trotzt Stürmen begleiteten uns. Wichtig ist immer ein gutes Fundament, seien es gute Beziehungen, Zufriedenheit oder das „Gut geerdet sein“.
Am Freitag fuhren wir nach dem Morgenimpuls (Lebendiges Wasser) über den Reschenpass ins sonnige Südtirol und folgten im Matschertal dem Ackerwaal. Waale sind von den Bergbauern vor Jahrhunderten angelegte Bewässerungsgräben, Wasserläufe also, gespeist vom Gletscher, aus denen man an den trockenen Südhängen schöpfen kann, um Fruchtbarkeit zu erzeugen. Ein schönes Symbol für Quellen, die unser Leben bereichern und aus denen wir schöpfen. Bei schönstem Spätsommerwetter, den schneebedeckten Gipfel von König Ortler stets vor Augen, wanderten wir immer am Waal entlang unserem Zielort zu. Fantastische Schöpfung, die Ehrfurcht lehrt! Getreu dem Motto von Theresia von Avila, dass man dem Körper jeden Tag etwas Gutes tun muss, damit die Seele sich wohl darin fühlt, kehrten wir am Abend letztmals in der Tiroler Gastronomie ein.
Nach dem gemeinsamen Frühstück folgte am Samstag ein kurzer Impuls zum Thema Lebensfülle (Ein Text von Bischof Stecher – Die Erinnerung) und dann nur noch die Heimreise.
Herzlicher Dank im Namen aller Teilnehmer gilt Holger, der wieder alles inhaltlich und organisatorisch bestens vorbereitet hatte!
Elsenfeld, 20.10.2026
Joachim Oberle






















































