Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Gremienwochenende im Kloster Oberzell: Hab Mut. Steh auf!

Das Motto des diesjährigen Katholikentags hatten wir als Thema für unser gemeinsames Gremienwochenende vom 9.-11.1.26 bei den Oberzeller Franziskanerinnen ausgesucht. Das Gästehaus Sankt Klara war uns noch vom letzten Jahr in bester Erinnerung und so fühlten wir uns von Anfang an wieder richtig wohl. 

Wir starteten am Freitagabend mit einem „Speed-Dating“ Gespräch über den Begriff „Mut“: Was verstehe ich unter Mut? Wann war ich schon mal richtig mutig? Wer oder was sind Mutmacher für mich? Anschließend begaben wir uns auf „Mutwege“ im großen Klarasaal, wo wir uns unter den vielen ausgelegten Bildern für ein Vorbild in  Sachen „Mut“ entscheiden sollten: die Geschwister Scholl? Pater Alfred Delp? Feuerwehrmänner? Bergretter? Gipfelstürmer? Seiltänzer? Friedensdemonstrant? Eltern sein? Sternsinger? Zivilcourage zeigen in einer Angriffssituation? Jeder hatte am Ende „sein“ Vorbild gefunden.  

In einem nächsten Schritt beschäftigte uns die Feststellung des SZ Journalisten Tobias Haberl, dass es eine Portion Mut braucht, sich heute in der Gesellschaft als Christ zu bekennen. In einem sehenswerten Podcast erläuterte er, welches der Anlass war, das Buch „Unter Heiden. Warum ich trotzdem Christ bleibe“ zu schreiben. Immer häufiger machte er in seinem Umfeld die Erfahrung, als gläubiger Mensch nicht mehr verstanden zu werden: Heute an Gott glauben? In dieser Kirche bleiben? Da wird man belächelt oder erhält ironisch distanzierte Kommentare. Das war für ihn Anlass, sich  intensiv mit der Frage zu beschäftigen, warum er glaubt und was der Glaube einer verunsicherten Gesellschaft geben kann. Nachlesen kann man seine Antworten ausführlich in dem daraus entstandenen Buch „Unter Heiden“. 

Am Samstagvormittag beschäftigten wir uns  in Gruppenarbeit  intensiv  mit der Frage, wie wir unser Christsein heute leben können. Die erarbeiteten Ergebnisse  sind Wegweiser für unser Zusammenleben im Kleinen wie im Großen:  weg vom  „Ich“ hin zum „Wir“, Gemeinschaft sein, Verantwortung über- nehmen, offene Ohren haben, zuhören, einander ernst nehmen, Orte der Stille und der Auszeit anbieten, mutig  formulieren, dass man aus seinem Glauben Kraft und Ruhe schöpft, gegen die Dauerangst das Vertrauen setzen, authentisch leben. 

Am Nachmittag besuchten wir das Kloster der Erlöserschwestern in Würzburg hinter dem Dom. Die Ordensgemeinschaft hatte sich vor einigen Jahren dazu entschlossen, ihr Kloster mitten in der Stadt zu öffnen und  einen Ort der Begegnung zu schaffen. Ein sehr mutiger Schritt, bedeutete es doch für die Schwestern des Ordens, jahrzehntelang Gewohntes aufzugeben. Entstanden ist ein beeindruckendes Gesamtensemble: ein einladender und zur Aktion anregender Empfangsraum, der „Garten des Lebens“  anstelle des alten Parkplatzes,  das Cafe Maris mit köstlichen Kuchen, der Garten der Stille. Unter der fachkundigen Führung von Herrn Kirchner waren wir beeindruckt von der renovierten Erlöserkirche, die ein selten erlebtes stimmiges Gesamtkonzept widerspiegelt, das zum Verweilen, zur Besinnung, zum Atemholen, zur Gottesbegegnung einlädt. Das neue Kolumbarium hinterließ durch die helle, lichtdurchflutete Gestaltung bei allen einen so freundlichen Eindruck, dass man vor dem Tod eigentlich keine Angst zu haben braucht. Vorbei am „Spiegelraum“, der das Leitwort der Erlöserschwestern „In Liebe für das Leben, damit Erlösung  Wirklichkeit wird“ phantasiereich gestaltet, verließen wir beschwingt und zugleich voller Hochachtung für das Lebenswerk der Schwestern diesen inspirierenden Ort. 

Am Abend feierten wir gemeinsam Gottesdienst zum Tagesevangelium „Taufe des Herrn“. Anknüpfend an diesen Gottesdienst beschäftigten wir uns am Sonntagmorgen in einer stillen Gebetszeit mit anschließendem Austausch, was es für jeden von uns bedeutet, getauft zu sein. Über die liebevoll gestaltete „Mitte“ ließen wir anhand der ausgelegten Gegenstände wie Seil, Fernglas, Koffer, Baukasten, Spiegel, Kinderschuhe, Hand, Ohr, Mund, Pinocchio, Maske, Herz unseren Gedanken zum Thema „Mut“ noch einmal  freien Raum. 

Wie in den vielen Jahren zuvor kam auch in diesem Jahr das gesellige Zusammensein am Abend nicht zur kurz. Gemeinschaft lebt neben gemeinsamer Arbeit, Austausch, Begegnung natürlich auch vom herzhaften Lachen und Plaudern über Gott und die Welt. Voller innerer Zufriedenheit und mit Vorfreude auf den im  Mai bevorstehenden Katholikentag in Würzburg fuhren wir am Sonntag nach Hause, bereit, mutig unseren Weg weiterzugehen. 

Gabi Scherpf